„Angeschossen und abgeschoben?“ - Ein deutscher Arzt klagt an.

03. Mai 2021 - Allgemein, Moria

SWR – DokuSerie, 5.5.21, 21.00

Ein Film von Thomas Diehl
Redaktion Achim Streit und Jürgen Flettner

„Ich kann nicht mehr! – Bitte holt mich hier raus!“ - Abdulkarim macht klar, dass seine Kräfte und sein Lebensmut von Tag zu Tag nachlassen.

Die Zustände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos sind katastrophal.

Das war im „alten“, abgebrannten Moria so und ist im neuen Camp nicht besser – im Gegenteil.

Gerhard Trabert, Arzt aus Mainz, konnte sich bei seinen zahlreichen Aufenthalten auf Lesbos ein Bild von der katastrophalen Situation dort machen. Und um Abdulkarim macht er sich große Sorgen! –Der junge Mann aus Syrien ist durch eine Kriegsverletzung querschnittgelähmt, kann sich kaum ohne fremde Hilfe bewegen – und auch Blasen- und Darmfunktion nicht steuern: „Dass solche Menschen in Europa unter solchen Bedingungen leben müssen ist eine Schande!“

Als Abdulkarim schließlich im Schlaf von einer Ratte gebissen wird, sendet

Fabiola Velasquez, eine Mitstreiterin Traberts, per Videobotschaft einen dramatischen Hilferuf: „Ihr Leute, die ihr das sehr, ihr Politiker in Europa – bitte tut etwas!“

Gerhard Trabert fliegt ein weiteres Mal nach Lesbos und möchte den Syrer am liebsten gleich mit zurück nehmen nach Mainz – in seine Heimatstadt. Immerhin: die Unterstützung der rheinlandpfälzischen Ministerpräsidentin ist ihm sicher – diese hat sie ihm persönlich zugesichert - aber er weiß auch: das allein reicht in diesem Fall nicht aus.

Und so befindet sich der Arzt in einem Dilemma: Er muss Abdulkarim Hoffnung machen, damit er durchhält – aber gleichzeitig ist ihm klar: mit einer Absage würde der junge Syrer kaum fertig werden.

Der Film begleitet Gerhard Trabert und seine Mitstreiterin Fabiola Velasquez beim Kampf um Abdulkarim. Er träumt von einem Neuanfang in Deutschland, möchte wieder arbeiten, will endlich wieder eine Perspektive: „Hier in Griechenland behandeln sie uns nicht wie Menschen – hier behandeln sie uns wie Vieh! Wir vegetieren dahin ...

Ich komme aus einer Steinmetzfamilie – und ich würde nichts lieber tun als wieder in diesem Beruf zu arbeiten.“ – Stolz zeigt er auf dem Handy Fotos seiner Werke.

Da er für seine Arbeit vor allem Arme und Hände benötigt, hätte er – trotz seiner starken Behinderung - durchaus gute Chancen auf einen Job, eine Wohnung – „ein neues Leben“ in Deutschland!

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