Abdulkarim in Frankfurt gelandet

06. November 2020 - Allgemein, Moria

Beitrag von Achim Lauer

Am Freitag um 10 :30 Uhr landete die Maschine aus Athen in Frankfurt, die Abdulkarim und seinen Cousin Wael , die monatelang im Lager Moria auf der Insel Lesbos ausgeharrt hatten, nach zähen Verhandlungen endlich nach Deutschland brachte. Begleitet wurden die beiden von dem Mainzer Arzt Dr. Trabert, der sich sehr für diese Überführung nach Deutschland eingesetzt hatte und Thomas Diehl, der das Ganze im Auftrag des SWR mit der Kamera dokumentierte..

Abdulkarim war auf der Flucht angeschossen wurden und ist seitdem von der Hüfte abwärts querschnittsgelähmt, sein Cousin, selbst körperlich behindert, hatte sich seitdem um ihn gekümmert und ihm geholfen, den Alltag im Rollstuhl zu meistern. Im Lager Moria waren sie mit Dr. Trabert zusammengekommen, der sich dort – zusammen mit der Physiotherapeutin Fabiola Velasques - ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmert.

Am Ausgang B2 wartete ein kleines Empfangskomitee auf die Gruppe , bestehend aus der Photographin Alea Horst, einer Dolmetscherin , einem Kamerateam der ARD und Achim Lauer von „ Wir Machen Mit“.

Ihre Geduld wurde auf eine lange Probe gestellt. Erst nach über eine Stunde erhielten sie per sms die Nachricht, dass die Gruppe von den anderen Reisenden getrennt und in ein Polizeigebäude außerhalb des Terminals gebracht worden war. Nach über einer weiteren Stunde konnten sie die Gruppe dann dort am Tor in Empfang nehmen: Abdulkarim und Wael saßen in einem Kleinbus, der sie im Auftrag des Integrationsministeriums in die AFA nach Speyer bringen sollte. Doch zuerst einmal gab es ein herzliches Wiedersehen mit Alea, dann folgten Interviews mit dem Kamerateam.

Für einen Außenstehenden fielen – wie auch auf vielen Fotos – vor allem die großen klaren Augen von Abdulkarim auf, die einerseits die Freude ausdrückten, endlich in Deutschland zu sein : doch gleichzeitig ahnte man dahinter auch die Sorgen und Ängste und die Trauer um die zurückgelassenen Freunde in Lesbos. Wie Dr. Trabert erzählte, hatte es dort einen sehr langen, schweren Abschied gegeben hatte, Abschied von Fabiola, von Freunden, von denen einige – obwohl auch schwer traumatisiert und kriegsversehrt- zurückbleiben mussten.

Abdulkarim dankte nochmals herzlichst allen, die an dieser Aktion beteiligt waren. Und er sprach von seinen Erwartungen auf ein besseres Leben in Deutschland und seinen Hoffnungen auf die deutsche Medizin, von der er sich eine deutliche Besserung seiner Situation verspricht.

Auch Dr. Trabert dankte allen Helfern und wies insbesondere auf das für die Ausreise-Erlaubnis letztlich wohl entscheidende Engagement von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Integrationsministerin Anne Spiegel hin.

Dann kam der schwere Moment des Abschieds von Dr. Trabert und Alea, die die beiden Syrer über so lange Zeit begleitet und unterstützt hatten. Eine lange Umarmung, ein Schulterklopfen, ein Winken – dann fuhr der Kleinbus mit den Beiden los in Richtung Speyer, voller Erwartungen, doch letztlich in eine ungewisse Zukunft

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