Hilfsprojekt von „Wir machen mit“ erfährt große Solidarität

05. Dezember 2020 - Allgemein, Moria

„Wir sind stolz auf das Erreichte, doch darauf wollen und werden wir uns nicht ausruhen“, fasst Achim Lauer, Initiator der Initiative „Wir machen mit“, die seit Ende Oktober laufende Spendenaktion für die flüchtenden Menschen und ein damit verbundenes Hilfsprojekt im neuen Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos zusammen. Inzwischen sind etwas mehr als 14 000 Euro auf dem für den Zweck speziell eingerichteten Spendenkonto der Verbandsgemeinde Aar-Einrich eingegangen.

„Wir machen mit“ bedankt sich für das große soziale Engagement und die Solidarität mit den Menschen im Flüchtlingslager. „Es ist schon fast unglaublich, dass diese Summe in so kurzer Zeit zustande gekommen ist“, bilanziert Achim Lauer. Ziel der Initiative ist es, den Aufbau einer medizinischen Nothilfestation für die Menschen in Moria finanziell zu unterstützen. Über den Mainzer Arzt Gerhard Trabert und die Fotografin Alea Horst aus Reckenroth (die RLZ berichtete) knüpfte „Wir machen mit“ den Kontakt zu der Physiotherapeutin Fabiola Velasques. Die Chilenin lebt auf der Insel und kümmert sich ehrenamtlich um die Not leidenden Menschen. Sie steht ihnen in medizinischen Fragen zur Seite und gibt den traumatisierten Menschen eine psychische Stütze. Ihre Hilfe koordiniert sie mit Gerhard Trabert. Da Velasques ihren bisherigen Arbeitsplatz in einem Container räumen muss, ist eine Finanzierung für eine neue basismedizinische Gesundheitsstation im Umfeld des Lagers erforderlich. Und dafür ruft „Wir machen mit“ zu weiteren Spenden auf. Unterstützt wird ein kleines, überschaubares Projekt mit einem erfahrenen, zuverlässigen Partner vor Ort.
Die Initiative engagierte sich bereits erfolgreich für die Opfer der Tsunami-Flutwelle in Südostasien und des Erdbebens in Haiti. Beide Male wurden gezielt Projekte mit regionalen Partnern gefördert. Beide Male erzielte „Wir machen mit“ eine stolze Spendensumme von jeweils rund 50 000 Euro. Eine Summe, die sich die Initiative jetzt für die Gesundheitsstation als ehrgeiziges Ziel gesteckt hat. Deshalb appelliert die Initiative an alle, die das Hilfsprojekt in Moria unterstützen möchten, trotz des Lockdowns weiter zu spenden und die Idee von „Wir machen mit“ an andere Menschen heranzutragen. Eine zweckgebundene Verwendung der Gelder ist durch die Zusammenarbeit mit Gerhard Trabert und Kontakte auf Lesbos garantiert. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wir-machen-mit.org.
Das Spendenkonto ist eingerichtet bei der Naspa, IBAN DE 76 5105 0015 0604 0147 00, SWIFT-BIC: NASSDE55XXX. Der Verwendungszweck lautet „Spende wir-machen-mit“.

Die aktuelle Situation auf Lesbos und im neuen Lager Moria
Die Situation vor Ort beschreibt Thomas Diehl, Filmemacher aus Burgschwalbach, der bereits mehrfach die Insel Lesbos und das Flüchtlingslager in Moria zu Dreharbeiten aufsuchte. Thomas Diehl ist auch in der Initiative „Wir machen mit“ aktiv: „Einst wurde Moria auf Lesbos als Durchgangslager für gestrandete Flüchtlinge errichtet. 3000 Menschen sollten dort vorübergehend unterkommen. Am Ende lebten in dem Camp 13 000 Flüchtlinge – fast die Hälfte waren Kinder. Und aus dem Durchgangslager wurde für viele eine Art Endstation. Monatelang, jahrelang mussten sie dort ausharren. Kaum Duschen, viel zu wenige Toiletten, keine Waschmaschinen, viel Gewalt – und dann kamen die ersten Corona-Fälle, der Lockdown. Das Camp wurde für die Menschen auf der Flucht endgültig zum Gefängnis, die Verzweiflung wuchs. Wahrscheinlich war dies einer der Auslöser dafür, dass am 9. September Feuer gelegt wurde – vermutlich von Geflüchteten, aber wahrscheinlich mit Unterstützung von „außen“, denn auf Lesbos war das Camp vielen ein Dorn im Auge. Es gab und gibt faschistische Gruppierungen, die geholfen haben sollen. Sämtliche Bewohner von Moria wurden durch den Brand obdachlos, verloren oft ihre letzten Habseligkeiten. Eilig wurde ein neues Camp hochgezogen – mit Zelten, direkt am Meer. Noch weniger Toiletten, praktisch keine Duschen, kein Strom, keine Heizungen, Verbot, Feuer zu machen. Das Essen ist häufig nicht gar oder verdorben. Die Lage direkt am Meer wird bei den nun zunehmenden Herbst- und Winterstürmen zum Verhängnis. Der Boden ist steinig, Regenfälle entwickeln sich schnell zu Sturzbächen, die mitten durchs Zelt fließen. Gab es im alten, abgebrannten Moria noch zahlreiche Container zum Schutz vor Regen und Kälte, so gibt es im neuen Lager nur einfachste Zelte. Und das, obwohl Dutzende Container gespendet wurden – sie dürfen allerdings nicht aufgestellt werden. Hinzu kommt: Die Karatepe-Siedlung, die einzige noch verbliebene Unterschlupfmöglichkeit für besonders schutzbedürftige Personen, soll zum Ende des Jahres geschlossen werden. Das hat der griechische Integrationsminister vor Kurzem mitgeteilt. In dieser Siedlung arbeitet auch Fabiola Velasques, die Physiotherapeutin, die ehrenamtlich Menschen hilft und sich einsetzt für die behinderten, traumatisierten, gefolterten und kranken Menschen auf Lesbos. Ihre Arbeit und der damit verbundene Aufbau einer medizinischen Nothilfestation in Containern wird von der Initiative ,Wir machen mit' unterstützt.“

Kalenderaktion und Verkauf von Masken

„Wir machen mit“ und der Willkommenskreis Diez sammeln gemeinsam. So gestaltete der Willkommenskreis einen Kalender mit Bildern von Alea Horst. Unter dem Titel „Hoffnung für Moria“ werden Porträts von Kindern aus Moria gezeigt, die trotz der schrecklichen Zustände im Lager würdevoll porträtiert wurden. Im Innenteil des Kalenders gibt es monatlich ein Rezept von Geflüchteten. Die Kalender gibt es zurzeit bei Buch & Wein, Lose Liebe und Lahntaler Kaffeerösterei in Diez. Zudem nähten Helfer Behelfsmasken, die verkauft werden. Beides ist samstags von 11 bis 12.30 Uhr im Willkommenskreis im Haus 11 im Diezer Wilhelm-von-Nassau-Park erhältlich. Der Kalender ist ab einer Mindestspende von 5 Euro erhältlich, die Masken gibt es ab 3 Euro. Verkaufsstellen werden zeitnah im Internet unter www.willkommenskreis-diez.de und www.wir-machen-mit.org veröffentlicht.

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1 Kommentare

Petra Samarah

15. Januar 2021

Als eine, die die Aktivitäten der Wir-Machen-Mit- Initiative seit einigen Monaten zeitweise aus der Nähe erleben kann, bin ich beeindruckt von der großen Einsatzbereitschaft und Zielstrebigkeit der Mitwirkenden. Dass all die dafür nötigen Diskussionen, Absprachen und die konkrete Umsetzung der Pläne vor dem erschwerenden Hintergrund von Corona flexibel bleiben mussten und müssen, macht die Entschlossenheit und Ausdauer der WMM -HelferInnen umso deutlicher.

Der große Erfolg der bisherigen Geldspendenaktion für Flüchtende auf Lesbos sowie die kurzfristig angesetzte und durchgeführte Kleidersammlung für Flüchtlinge in Bosnien bezeugen, dass die Initiative mit ihrem Handeln ein Bedürfnis sehr vieler Bürger aufgreift, nämlich der menschenverachtenden Behandlung von Flüchtenden durch die offizielle Politik etwas entgegen zu setzen.

Großes Danke! Petra Samarah